Josef Reyer empfängt uns in seinem Büro in der Auerspergstraße. Über seinen Schreibtisch sind in den letzten 30 Jahren ein Großteil von Veranstaltungsgenehmigungen gegangen. Er ist Bautechniker und Gewerbetechniker bei der Stadt Salzburg, hat unter anderem Konzerte von Tina Turner in der Altstadt und Eros Ramazzotti am Gaisberg begleitet und grünes Licht für die Eventreihe Live im Park gegeben. Bevor er sich im Sommer in den wohlverdienten Ruhestand begibt, hat er seine Laufbahn für uns noch einmal Revue passieren lassen.

Welche Aufgaben hat man als Bautechniker bzw. als Baupolizist der Stadt Salzburg?

Ich bin dafür zuständig, dass eine möglichst hohe Sicherheit bei Veranstaltungen gegeben ist. Alle Veranstaltungsstätten werden einer Genehmigung nach Sicherheitsparametern unterzogen. Bei diesen handelt es sich trotzdem nur ein Mindestlevel. Das heißt: Auch wenn ich gesetzlich alles einhalte, gibt es nicht die absolute Sicherheit – so wie überall, wo Menschen involviert sind.

Ist man als Sicherheitspolizist immer der Bad Cop?

Nein, da man in dieser Funktion ja eine Serviceeinrichtung für den Veranstalter und alle Beteiligten sowie für die Besucher ist. Ich bin der Meinung, dass man in Salzburg auch etwas für die Jungen machen und die klassische Hochkultur ein bisschen auf- und durchmischen muss. Diese Mischung und die Menge an Besuchern und Veranstaltungen muss in Summe funktionieren. Das ist ein sehr interessantes Spannungsfeld. Die Leute sollen sich einerseits sicher fühlen und andererseits eine gute Zeit auf der Veranstaltung haben.

Wie lange haben Sie in der Branche gearbeitet?

Ich bin seit 1980 Baupolizist, seit 1985 gleitend und seit 1990 komplett für alle Veranstaltungen innerhalb der Stadt Salzburg verantwortlich. Ich habe schon einiges in dem Bereich gesehen, das können Sie mir glauben. Wichtig ist, dass man offen ist – dadurch habe ich sehr viel dazugelernt. Auslernen wird man im Veranstaltungsbereich sowieso nie.

Das größte Event, das Sie betreut haben?

Von der Dimension her war das wahrscheinlich das Tina Turner-Konzert mit 25.000 bis 30.000 Leuten. Hier war auch die ganze Altstadt involviert. Bei der EURO 2008 haben wir über den ganzen Zeithorizont die Altstadt bespielt. Das war auch sehr intensiv. Dann gab es noch diverse Gaisberg-Konzerte, wie jenes von Eros Ramazzotti oder kleinere direkt am Gaisbergspitz. Je ausgesetzter und komplexer eine Veranstaltungsstätte ist, umso reizvoller ist sie. Ich hatte schon Konzerte im Steintheater oder in einer Rangierhalle vom Bahnhof.

Was sind die Highlights, die so ein Job mit sich bringt?

Ich habe natürlich viele Dinge gesehen, die meinen Horizont erweitert haben und die ich mir vielleicht als Privatperson nicht angeschaut hätte. Zwischenzeitlich habe ich mich vom Kulturbanausen soweit entwickelt, dass ich mir auch gerne ein Klassik-Konzert anschaue. Aber auch jeder Aufbau, jede Bühne – egal, ob das eine Tina Turner, ein Elton John oder eine Hip-Hop Veranstaltung ist – du kannst dir alles in der Tiefe anschauen und das technische Rundherum kennenlernen.

Von der Dimension her fand ich die EURO 2008 sehr toll. Die ganze Vorbereitungszeit, die Aufbereitungen, usw. Da musste man mit allen Beteiligten einerseits die Wirtschaftlichkeit in der Altstadt und andererseits die Gefahr von randalierenden Fans abwägen. Man muss immer alle Fakten auf den Tisch legen. Oder die Dult. Genehmigen Sie mal eine Dult. (lacht) Es ist natürlich sehr schön, wenn ich manchmal nach einer Veranstaltung durch die Stadt gehe und alles reibungslos funktioniert hat. Und man weiß dann, dass man ein kleiner Teil dieses Rädchens war.

Warum ist Live im Park wichtig für Salzburg?

Bei Live im Park wird die Vielfältigkeit zeitgemäßer Kultur präsentiert. Außerdem gibt es viele gratis Kursangebote und sportliche Aktivitäten für die Jugend. Das finde ich eine sinnvolle Sache. Dass gewisse zeitgemäße Musik präsentiert gehört, ist sowieso klar, das gehört ermöglicht. Ich kann aber nicht acht Wochen lang nur einen Platz bespielen. Da wird die Umgebung irgendwann revoltieren. Gerade hier ist es toll, wenn das Angebot auf verschiedenen Plätze ausgeweitet wird. So haben mehr Menschen etwas davon.


Titelbild: Photo by Marcus Neto on Unsplash